Menstruation und Gelenkschmerzen

Physiotherapie bei Menstruationsschmerzen: Beschwerden im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus

Beschwerden im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus betreffen nicht nur den Unterbauch. Manche Frauen bemerken auch, dass Gelenke wie das Knie in bestimmten Zyklusphasen empfindlicher reagieren oder schmerzen.

Das bedeutet nicht, dass die Gebärmutter direkt mit dem Knie verbunden ist. Vielmehr wirken mehrere Faktoren zusammen: Hormone, das Nervensystem, die Schmerzempfindlichkeit und die Körperhaltung. Dadurch kann das Knie vorübergehend empfindlicher werden oder stärker auf Belastung reagieren.

Einflüsse auf Gewebe und Stabilität

Hormone

Hormone wirken nicht nur auf die Fortpflanzungsorgane. Sie können auch Bänder, Sehnen und Muskeln beeinflussen. Besonders das Hormon Östrogen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Bänder und Sehnen bestehen unter anderem aus Kollagen. Kollagen ist ein wichtiger Baustein des Bindegewebes und sorgt dafür, dass Gewebe stabil, belastbar und gleichzeitig elastisch bleibt. Wenn sich der Östrogenspiegel im Verlauf des Zyklus verändert, können sich auch die Spannung und die Elastizität des Bindegewebes leicht verändern.

In bestimmten Zyklusphasen können Bänder dadurch etwas nachgiebiger sein. Man spricht hier auch von einer erhöhten Bandlaxität. Einfach gesagt bedeutet das, dass die Bänder etwas mehr nachgeben als sonst.

Für das Knie kann das bedeuten, dass die Muskulatur mehr arbeiten muss, um das Gelenk stabil zu halten. Das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln wird dabei besonders wichtig. Dieses Zusammenspiel hilft dem Körper, Bewegungen zu kontrollieren und das Gelenk zu schützen. Wenn diese Kontrolle vorübergehend verändert ist, können sich Belastungen im Knie anders verteilen – besonders beim Sport, beim Treppensteigen oder bei schnellen Richtungswechseln.

Veränderung der Schmerzverarbeitung im Zyklus

Nicht nur das Gewebe selbst spielt eine Rolle, sondern auch das Nervensystem. Das Nervensystem ist dafür verantwortlich, Schmerzen wahrzunehmen, weiterzuleiten und zu verarbeiten.

Im Verlauf des Menstruationszyklus kann sich die Schmerzempfindlichkeit verändern. Das bedeutet, dass Schmerzen in manchen Phasen stärker wahrgenommen werden können als in anderen. Dann kann sich das Knie manchmal schmerzhafter anfühlen, obwohl im Knie selbst keine neue Verletzung oder strukturelle Veränderung vorliegt.

Das heisst nicht, dass die Schmerzen „eingebildet“ sind. Die Schmerzen sind real. Der Körper verarbeitet Schmerzreize in dieser Phase nur sensibler.

Systemische Entzündungsmediatoren

Während der Menstruation bildet der Körper vermehrt sogenannte Prostaglandine. Das sind körpereigene Botenstoffe, die unter anderem dafür sorgen, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Dadurch können Menstruationsschmerzen entstehen.

Prostaglandine wirken jedoch nicht nur im Unterbauch. Sie können auch den ganzen Körper beeinflussen. Deshalb fühlen sich manche Frauen während der Menstruation allgemein empfindlicher, müder oder körperlich angeschlagen.

Auch Muskel- und Gelenkbeschwerden können in dieser Phase stärker wahrgenommen werden. Manche beschreiben es als ein Gefühl wie bei einer beginnenden Grippe: Der Körper fühlt sich schwer, empfindlich oder schmerzhaft an.

Physiotherapie bei Menstruationsschmerzen: Becken, Hüfte, Knie, Fuss und Rumpf miteinander zusammenarbeiten

Funktionelle Ketten: vom Becken bis zum Knie

Aus physiotherapeutischer Sicht ist Folgendes wichtig: Das Knie arbeitet nicht allein. Es ist Teil einer Bewegungskette. Das bedeutet, dass Becken, Hüfte, Knie, Fuss und Rumpf miteinander zusammenarbeiten.

Wenn sich zum Beispiel die Spannung im Bauch-, Rücken- oder Beckenbereich verändert, kann das auch die Haltung und Bewegung der Hüfte beeinflussen. Die Hüfte wiederum hat einen direkten Einfluss darauf, wie das Knie belastet wird.

Auch verschiedene Muskelgruppen wirken zusammen. Dazu gehören zum Beispiel die Gesässmuskulatur, die Oberschenkelmuskulatur und die Muskeln an der Innenseite des Oberschenkels. Wenn eine Muskelgruppe mehr Spannung aufbaut oder weniger gut arbeitet, müssen andere Muskeln dies ausgleichen.

So kann eine erhöhte Spannung im Becken- oder Rumpfbereich indirekt dazu führen, dass das Knie stärker oder anders belastet wird.

Nervensystem und Schutzspannung

Auch das vegetative Nervensystem spielt eine Rolle. Dieser Teil des Nervensystems steuert viele automatische Körperfunktionen, zum Beispiel die Muskelspannung, die Durchblutung, die Verdauung und Stressreaktionen.

Wenn der Körper Schmerzen oder Beschwerden erlebt, kann er automatisch in eine Art Schutzmodus wechseln. Dabei kann die Grundspannung in der Muskulatur steigen. Das bedeutet, dass die Muskeln unbewusst stärker angespannt sind als sonst.

Dadurch kann sich das Gangbild verändern. Manche Menschen belasten ein Bein weniger, gehen vorsichtiger oder nehmen unbewusst eine Schonhaltung ein. Diese veränderte Bewegung kann wiederum zu einer zusätzlichen Belastung des Knies führen.

Physiotherapie bei Menstruationsschmerzen: Nervensystem und Schutzspannung

Zusammenfassung

Zyklusabhängige Knieschmerzen entstehen meistens nicht durch eine direkte Verbindung zwischen inneren Organen und dem Kniegelenk. Vielmehr wirken verschiedene Faktoren zusammen.

Hormone können Bänder, Sehnen und Gewebe beeinflussen. Das Nervensystem kann Schmerzen in bestimmten Zyklusphasen stärker wahrnehmen. Gleichzeitig können Veränderungen der Körperhaltung, der Muskelspannung und des Bewegungsverhaltens dazu führen, dass das Knie anders belastet wird.

Deshalb kann es vorkommen, dass das Knie während bestimmter Phasen des Menstruationszyklus empfindlicher reagiert oder schmerzt, auch wenn keine neue Verletzung im Knie oder in einem anderen Gelenk vorliegt.